Heimat und Zuhause

What do you call home? Über meine Überforderung ob der Frage habe ich schon mal geschrieben. Das weitere Problem dabei? Home lässt sich sowohl mit Heimat als auch mit Zuhause übersetzen – was für mich aber zwei unterschiedliche Dinge sind. (An dieser Stelle: Ich spreche sehr norddeutsches Deutsch. Geht das Süddeutschen auch so, mit den Begriffen Heimat und Heim? Hm.)

Ich bin viel unterwegs, viel umgezogen und meine Freunde leben weit verstreut. Mindestens die Hälfte meiner soziale Kontakte pflege ich über Telefon und Computer. Freundschaften sind mir unheimlich wichtig, aber sie definieren schon länger nicht mehr mein Zuhause.

Tallinn

Das war mal mein Zuhause auf Zeit. Ich bin immer noch ein wenig in diese Stadt verliebt. (Oder etwas mehr. Oder sehr. Ok, sehr.)

Zuhause kann temporär sein. Zuhause kann der Ort sein, an dem ich im Laufe des Tages zur Ruhe kommen kann. Zuhause ist ein Ort, der sicher ist. Zuhause habe ich schon sehr viel genannt, mitunter sogar Hostels und ganz sicher meine Untermieten im Ausland. Aber so richtig und herzenstief war ich doch immer eher Besuch. Temporär, von Anfang an. Und dann zog ich in meine erste eigene Wohnung.

Bangalore

Hier gab es Palmen. Das war ziemlich fantastisch.

Es war ein Schuhkarton. Echt jetzt. Knappe 16 Quadratmeter sind nicht viel. Aber sie waren meine und sie hatten eine Tür zur Außenwelt, und nur ich hatte das Recht über öffnen und schließen zu entscheiden. Meine Bücher standen im Regal und mein Zeug lag rum. Es war großartig. Es war meins.

Weißenburgstraße

Nach 1 1/2 Jahren bin ich ausgezogen. 16 Quadratmeter, schon klar, ihr versteht. Jetzt wohne ich in einer WG. Zur Zwischenmiete. Alleine bin ich schon lange nicht mehr. Aber vom Anfang an war ich glücklich und zuhause. Zwischen meinen Büchern und mit meinen Bildern an der Wand. Und einher geht die Erkenntnis: Ich kann mich überall arrangieren. Aber am Ende  bin ich zuhause, wo meine Bücher stehen und meine Pflanzen vertrocknen.

Weißenburgstraße 2

Im Hintergrund: Zwei vertrocknende Orchideen.

Bücher

Was ist bei dem ganzen Spaß dann Heimat? So, für mich? (An dieser Stelle: Meine Abschlussarbeit streift den Heimatbegriff und… oh boy…). Für mich ist Heimat immer noch die Region, in der ich aufgewachsen bin. Noch immer schlägt mein Herz ein bisschen schneller, wenn der Zug auf der richtigen Seite der Elbe ankommt. Wo die Luft so ein kleines bisschen besser schmeckt. Wo die Menschen mit dem schönsten aller Dialekte sprechen. Wo das Meer ein Tagesausflugsziel ist. Wo es ordentliche Lakritze gibt.

Ostsee

Ostsee. Zwar nicht von der westlichen Seite aus fotografiert, aber immerhin Ostsee.

Aber Hand aufs Herz: Ich habe bislang ja auch noch nirgendwo sonst genauso lang gelebt. Alle späteren Orte des Zuhauses haben nie so lange gehalten. Vielleicht ändert sich die Heimat auch noch. Vielleicht kann ich auch mehrere Heimaten haben – wer will es mir auch verbieten?

Weimarhallenpark

Das war mal mein Vorgarten. Quasi.

Dieser Blog fragt nach Heimat. Spannende Frage. Ich schätze, die Antwort liegt bei jedem einzelnen Menschen selbst.

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4 Gedanken zu „Heimat und Zuhause

  1. Pingback: Heimatorte (Blogparade) – Anwolf

  2. Anwolf - Unterwegs auch mit Hund

    Liebe Merle, ich freue mich, dass du mit diesem tollen Artikel an meiner Blogparade teilnimmst. Die Fotos sind wunderschön! Ich habe den Eindruck, dass es den Menschen, die von der See kommen, besonders leicht fällt, ihre Heimat zu definieren. Kann ich irgendwie gut verstehen. Auch ich liebe das Meer. (besonders die Ostsee). Vielleicht irgendwann mal meine Wahlheimat… 🙂
    Viele Grüße von Andrea

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    1. merlekene Autor

      Vielen herzlichen Dank für das Kompliment! 🙂 Ich glaube, es ist immer besonders leicht, Heimat zu definieren, wenn man es mit etwas besonderen verbinden kann – sei es nun das Meer oder doch die Berge. Und die Zeit spielt bestimmt auch eine große Rolle.
      Aber das Meer ist natürlich immer das beste, ist ja klar 🙂 Meine Mutter kommt von der Nordsee und hält die Ostsee nicht für ein richtiges Meer: Es riecht ja nicht richtig salzig. Dagegen verschwindet die Nordsee aber regelmäßig. Es ist alles nicht so leicht. (Jetzt vermisse ich Meer.)

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  3. Pingback: Heimatorte – Eine Reise durch Deutschland und die Welt (Auswertung Blogparade) – Anwolf

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